Offen darüber reden! PDF Drucken E-Mail

März 2011, Kleinmachnow

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Polizei klärt Kleinmachnower Schüler über das Thema „Cyber-Mobbing“ auf

medientage_kindIn Berlin ergreifen Schüler jetzt selber die Initiative. In der Steglitzer Fichtenbergschule wehren sich die Jugendlichen seit letzter Woche gegen Cyber-Mobbing. Aktueller und trauriger Anlass war eine Gewaltattacke gegen einen 17-Jährigen in Berlin-Wedding: Der war von vermutlich 20 Jugendlichen krankenhausreif geschlagen worden, nachdem er versucht hatte, Beleidigungen gegen seine Freundin mit den Mobbern zu klären. Im Internet-Forum „isharegossip“ (zu Deutsch : „Ich teile Gerüchte“) war gegen die Freundin gehetzt worden. Mit der Aktion „ihategossip“ („Ich hasse Gerüchte“) versuchen die Steglitzer nun ihre Mitschüler zum Boykott der Seite zu bewegen. Unter dem Motto „Wehret den Anfängen!“ war die Potsdamer Polizei eine Woche zuvor in der Kleinmachnower Grundschule am Seeberg vor Ort. Polizeikommissarin Anja Alijew und Polizeiobermeisterin Diane Jende von der Prävention im Schutzbereich klärten die Kinder der 5. und 6. Klassen über „Cyber-Mobbing“ auf. Interesse am Polizeiaufklärungsprojekt „Sicherheit im Netz“ haben weitere Schulen in Kleinmachnow, Teltow und Stahnsdorf angemeldet. „Wir haben uns erst vor wenigen Wochen eingelesen, aber das Thema wird immer größer“, sagt Polizeiobermeisterin Jende. Der Umgang mit Handy und Computer ist für Grundschüler mittlerweile normal – selbst für Hausaufgaben muss oft das Internet zu Rate gezogen werden. Von den Eltern hingegen wird „das Problem Internet noch völlig unterschätzt“, meint Diane Jende. Dennoch zeigen Eltern in der Region in der Regel wesentlich mehr Interesse, was ihre Kinder am PC machen, als in den Großstädten, meint Sven Ronstedt, der mit seiner Firma „media4Kids“  etliche Schulen betreut. Als Vater arbeitet er an dem Polizeiprojekt in Kleinmachnow mit und informiert über die technische Seite. „Kinder wachsen hier noch mehr behüteter auf als in den Metropolen“, sagt Sven Ronstedt. Einigen Eltern attestiert er dagegen noch „Unbeholfenheit“ im Umgang mitdem PC. Dennoch können auch hier die Eltern nicht alles wissen. Schon ab der 5. Klasse chatten die Kinder ganz selbstverständlich in Foren, wie „Facebook“, sind beim Internettelefonanbieter „Skype“ angemeldet und laden Musik und Spiele herunter. „Wir machen Hausaufgaben gemeinsam übers Internet, weil es schneller geht“, sagt die 12-jährige Josefine aus der Klasse 6b. Von Erfahrungen mit Cyber-Mobbing haben nur „vereinzelt“ Kinder an der Grundschule am Seeberg berichtet, sagt die Polizeiobermeisterin. Eine 12-jährige Schülerin wurde allerdings schon mal zum „Cam-Sex“ im Netz aufgefordert. Die Eltern reagierten schnell und ließen den Zugang sperren. Die wichtigste Botschaft an die Kinder ist: Mit den Eltern oder Erwachsenen, denen man vertraut, über unangenehme Cyber-Begegnungen zu sprechen! Die Schüler sehen dazu einen Film: Ein Mädchen verliert auf einer Party ihr Handy. Ein Junge findet es und stellt die darauf befindlichen Fotos ins Internet. Das Mädchen reagiert nicht darauf, weil sie die Sache unterschätzt und weil sie sich schämt. Die Folge: Die Häme ihre Mitschüler wird für sie zum täglichen Spießrutenlauf. „Ihr müsst offen darüber reden!“, sagt die Polizeiobermeisterin den Sechstklässlern, „sonst denken die Täter, sie hätten freie Hand“. Auch dass es sich dabei nicht um einen Dummen-Jungen-Streich handelt, wird den Kindern vermittelt. Bedrohung, Beleidigung, Erpressung, Nötigung und seelische Körperverletzung sind Straftaten. Die Folgen können die Täter oft nicht einschätzen, sagt die Polizei. Ihrer habhaft zu werden, ist allerdings auch nicht einfach. So genannte IP-Adressen, die jeder Internet-Nutzer hinterlässt, müssen schnell zurück - verfolgt werden – bevor sie gelöscht sind. Ansonsten gilt es Beweise zu sichern: Texte, Dateien und „Nicknames“ kopieren, speichern und der Polizei vorlegen. Den Schülern schärft die Polizeiobermeisterin Diana Jende ein: „Ich möchte, dass Ihr wisst, dass alles was Ihr hoch - ladet, weltweit zu sehen ist!“.

Quelle:
Karsten Sawalski, BÄKE Courier Ausg. 06/11